Visit Sponsor

Written by: Lifestyle

Werbefotograf Christian Eppelt

Anzeige

Es gibt Fotos, die garantiert jeder von uns kennt, wie beispielsweise das von John Lennon und seiner Frau Yoko Ono, die gemeinsam im Bett liegen und gegen den Krieg protestieren. Oder das von Albert Einstein, auf dem er die Zunge herausstreckt. Auch die Fotos von Christian Eppelt hat bestimmt jeder schon einmal gesehen – seine Bilder werden jedoch eher unterbewusst wahrgenommen. Denn er ist Werbefotograf. Wir haben Christian Eppelt getroffen, um mit dem Straubenhardter über seinen Beruf zu sprechen.

Enzkreis Rundschau: Herr Eppelt, wie sind Sie denn zur Werbefotografie gekommen?

Christian Eppelt: Ich habe schon in der Schule gerne fotografiert. Während meines Zivildienstes hatte ich dann etwas Zeit – und auch ein bisschen Geld. Davon habe ich mir eine Kamera gekauft und später ein Labor eingerichtet. Während dieser Zeit habe ich gemerkt, dass die Fotografie mein Berufswunsch ist. Über den Weg einer schulischen Ausbildung (die sehr theorie­lastig war) bin ich dann in den Beruf eingestiegen. Die praktische Seite der Werbefotografie habe ich erst im Anschluss im Studio von Peter Sihler in Pforzheim kennengelernt. Mit allen Kniffs und Tricks und dem handwerklichen KnowHow, das zu einem reproduzierbar guten Ergebnis führt. Seit 1994 bin ich selbständig, vor 10 Jahren habe ich in Straubenhardt meinen Traum von einem optimalen Studio verwirklicht und in Conweiler ein Studio gebaut.

Enzkreis Rundschau: Sie haben Kunden in der ganzen Welt. Warum haben Sie sich ausgerechnet für Conweiler als Standort entschieden?

Christian Eppelt: Für Teile meines Arbeitsspektrums wie z.B. die Uhrenfotografie ist es egal, wo ich arbeite – Hauptsache UPS und DHL kommen pünktlich. Ich kommuniziere mit diesen Kunden in der Regel via Skype. Wir besprechen alles Wesentliche und dann geht es an die Arbeit. Viele andere Kunden, vor allem aus der Industrie, dem Handwerk oder dem Gastgewerbe, sind aus der näheren und weiteren Region. Für diese Kunden laden wir das notwendige Equipement in unseren Bus und dann geht´s los.

Enzkreis Rundschau: Warum haben Sie sich auf Werbefotografie spezialisiert und nicht zum Beispiel auf Porträt-Aufnahmen?

Christian Eppelt: Der Beruf des Werbefotografen ist vielseitiger. Es steckt einerseits viel manuelle Arbeit dahinter. Beispielsweise fertigen wir gegebenfalls die Requisiten und Hintergründe für die Aufnahmen selber an. Dann gibt es im Hintergrund Marketinganalysen, deren Ergebnisse oder Zielsetzungen ich in meine kreative Arbeit einbinde und in Bilder umsetze, was sehr spannend ist. Und letztlich – Portraits von Mitarbeitern gehören zu einer meiner Haupttätigkeiten – besonders Portraits, die zur Gewinnung von Fachkräften und Auszubildenden eingesetzt werden.

Enzkreis Rundschau: Was macht für Sie den Reiz bei Werbeaufnahmen aus? Sie fotografieren und filmen ja hauptsächlich Schmuck, Uhren und technische Produkte. Haben Sie dazu eine spezielle Affinität?

Christian Eppelt: Ich bin technisch sehr interessiert, was sich auch in der Ausstattung meines Studios widerspiegelt. Wir setzen z.B. 3-Druck für Vorrichtungen und Requisiten ein, wenn diese so nicht beschaffbar sind. So haben wir z.B. einen Schiffsanlegepoller, der komplett in 3D gedruckt wurde. Für mich sind die Einblicke, die sich durch meinen vielfältigen Kundenkreis in deren Produktionswelten ergeben, unwahrscheinlich spannend. Wer kommt schon am einen Tag in eine Großbäckerei, am anderen Tag in eine Galvanik und hat am nächsten Tag vielleicht eine mechanische Uhr auf dem Tisch? Oder fotografiert eine Mousaka? Oder ist dabei, wenn ein 5-Achsen Roboter programmiert wird?

Enzkreis Rundschau: Werbung wirkt eher unterbewusst – das ist ja auch der Sinn dahinter. Dadurch bekommen Ihre Aufnahmen aber auch nicht immer die Aufmerksamkeit, die sich ein Fotograf normalerweise wünscht. Finden Sie das nicht schade?

Christian Eppelt: Jein? 😉 In der Werbung muss man sich bewusst sein, manches, was man mit viel Liebe in Szene setzt, hat eine kurze Halbwertszeit. Aber sehr viele meiner Bilder, besonders die Mitarbeiterportraits und die ausgefalleren Motive, haben eine ausgesprochen lange Halbwertszeit. Hier ist vieles dabei, was nach 10 Jahren noch publiziert wird. Und letztlich – meine Kunden schätzen die Arbeit meines Teams. Deren Feed­back motiviert unglaublich.

Enzkreis Rundschau: Berufsbilder verändern sich – trifft dies auch auf die Werbefotografie zu?

Christian Eppelt: Unbedingt – und dies in vielerlei Hinsicht. Verkürzt gesagt, in meiner Anfangszeit bestand meine Arbeitsleistung aus der gestalterischen Kompetenz und der Fähigkeit, richtig zu belichten. Viele Berufsbilder, wie z.B. Laborant oder Retuscheur, die nachgeordnet gearbeitet haben, gibt es nicht mehr. Deren Tätigkeiten hat sich, durch die frühe Digitalisierung in meiner Branche zu uns verschoben. Wo es früher genügt hat, ein Stück Film in die Kamera zu schieben, programmiere ich jetzt an einem Roboter eine Kamerafahrt, die synchron mit dem Licht ein Video z.B. von einer mechanischen Uhr erstellt. Was danach von meinem Team in einen Werbefilm geschnitten wird. Gegebenenfalls zusätzlich unter Verwendung von 3D gerenderten Ansichten.

Enzkreis Rundschau: Bedeutet dies, dass der klassische Werbefotograf ausgedient hat?

Christian Eppelt: Nein ganz sicher nicht. Eher im Gegenteil.
Wir haben heute einen erheblich höheren Bedarf an Bildmaterial. Das resultiert vor allem aus der quasi Präsenzpflicht in den sozialen Medien. Technisch lassen sich Bilder heute einerseits zwar sehr viel einfacher und vor allem zuverlässiger erstellen – man sieht ja sofort, ob es was geworden ist. Andererseits – es kostet nach wie vor wertvolle Zeit und der Betrachter ist einigermaßen verwöhnt. Das hat bei uns in den vergangenen Jahren zu einem erheblichen Schub an kreativen Aufgaben geführt. Aber die Umsetzung dieses Schubs ist neben der unabdingbaren kreativen Leistung von der Beherrschung der technischen Möglichkeiten von Hard- und vor allem Software abhängig. Was wiederrum die Bereitschaft zur kontinuierlichen Weiterbildung verlangt. Das ist aber nichts Besonderes, wir sind hier, ich vermute durch die frühe Digitalisierung unserer Branche, nur etwas früher dran wie vielleicht andere Berufsbilder.

Enzkreis Rundschau: Zum Abschluss: Gibt es ein Shooting, das Ihnen noch immer gut in Erinnerung ist?

Christian Eppelt: „Das” Shooting gibt es so nicht. Sicher, es gibt außergewöhnliche Fototermine wie z.B. das Shooting mit 2 Schimpansen, das ich vor einigen Jahren hatte oder der Fototermin im Kamin der Papierfabrik in Karlsruhe Maxau. Das war eine außergewöhnliche Location von wirklich einzigartiger „innerer Ästhetik”. Ich sage, jedes Shooting ist einzigartig, weil wir jede Aufgabenstellung spezifisch angehen und jeder Auftrag seine eigene Umsetzung erfordert. Was den Reiz meines Berufes ausmacht.

Enzkreis Rundschau: Vielen Dank für den tollen Einblick in Ihren Berufsalltag. Es war sehr interessant zu sehen, wie viele Facetten der Job Fotograf mit sich bringt.

Last modified: 9. Dezember 2022