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Verena Wriedt (45) wird den meisten vor allem als TV-Motorsportexpertin der Rennserie DTM bekannt sein. Sie wuchs auf den Philippinen auf und studierte Medienwissenschaften und Journalismus in England und den USA. Unter anderem arbeitete sie für ProSieben, Sat.1 und n-tv. Was viele nicht wissen: Im Dezember geht die sympathische Berlinerin und Mutter eines achtjährigen Sohnes unter die Kinderbuchautorinnen. In ihrem Bilderbuch „Die schrägen Sieben“ (erscheint am 08.12.2020 im riva Verlag) erzählt Wriedt sieben inspirierende Geschichten über Freundschaft und die Herausforderungen des Lebens. Das Außergewöhnliche? Es ist ein interaktives Buch für die ganze Familie. Im Interview verrät sie, was sie dazu bewegt hat, Autorin zu werden und wie sie die Corona-Zeit mit ihrer Familie erlebt hat.

Mit „Die schrägen Sieben“ veröffentlichen Sie am 08. Dezember Ihr erstes Kinderbuch. Wie kommt es, dass Sie neben Ihrer TV-Karriere jetzt den Schritt gewagt haben und unter die Buchautoren gegangen sind?
Ich habe schon immer gerne geschrieben. Genau deshalb bin ich Journalistin geworden. Als Kind habe ich immer Geschichten und Gedichte geschrieben. Doch durch den Job als Moderatorin hatte ich dafür keine Zeit mehr. Als ich dann Mutter wurde, habe ich meinem Sohn viele Kinderbücher vorlesen. Und ich habe in den letzten Jahren oft davon geträumt, selbst eins zu schreiben. Aber die Zeit war nie da. Dann kam Corona und ich hatte plötzlich mehr Zeit… also habe ich mich hingesetzt und geschrieben. Und die Geschichten entstanden einfach so. Es hat mir unfassbaren Spaß gemacht. Mein Sohn war mein strengster Kritiker. Ich habe ihm immer alles vorgelesen und es musste ihm gefallen. Er liebt das Buch. Die Namen haben wir uns zusammen ausgedacht. Natürlich wollte er der Löwe sein. Und Muck der Mensch ist angelegt an meine Mom. Mein Vater hat sie immer Muck genannt.

Was ist das Besondere an „Die schrägen Sieben“?
Jedes Kind ist anders. Ganz klar. Und so muss es auch sein. Wir sind alle unterschiedlich. Bei Kindern merkt man schon ganz früh, was für einen Charakter sie haben. Sind sie ruhig und schüchtern oder besonders neugierig? Sind sie eher zurückhaltend oder wild und laut? Egal wie sie sind, sie sind gut, so wie sie sind. Und ich glaube das ist eine enorm wichtige Message, die oft gerne vergessen wird. Kinder werden in Schubladen gesteckt, da heißt es dann, der eine ist der anstrengende, der andere ist der nervige und die andere ist vielleicht die schüchterne, die am Rockzipfel hängt. Aber das finde ich nicht gut und so sollte es nicht sein. Jedes Kind sollte gleich behandelt werden, denn jedes Kind hat Bedürfnisse. Auch das laute, wilde Kind hat Bedürfnisse und braucht Zuneigung und Liebe. Vielleicht sogar gerade dieses Kind. Wer will schon „anstrengende“ Kinder in der Kita oder in der Schulklasse…klar werden angepasste Kinder lieber gesehen. Aber unsere Gesellschaft ist nun mal bunt. Da gibt es verschiedene Charaktere – und das ist auch gut so.

Sie selbst sind Mutter eines achtjährigen Sohns. Inwieweit hat dieser Sie zu den Geschichten im Buch inspiriert?
Lio hat mich zu diesem Buch inspiriert. Er ist sehr aufgeweckt, schlau und hat unfassbar viel Energie. Ich wünschte ich hätte nur einen Bruchteil davon. Er ist blitzschnell im Kopf und zuvorkommend, hilfsbereit und liebevoll. Aber ja er ist auch wild und laut. Und er ist genauso richtig, wie er ist. Nur leider empfinden Erzieher und Lehrer diese Kinder eher als anstrengend. Denn natürlich ruft er mal dazwischen, ohne sich zu melden, weil er es nicht mehr aushält innezuhalten oder er freut sich dermaßen über die Schulhofpause, dass er sich vielleicht zu laut freut. Ja klar, aber er ist ein Kind und kein dressierter Pudel. Ich habe manchmal das Gefühl, unsere Kinder dürfen gar nicht mehr richtig Kind sein. Und das ist schade und muss sich ändern. Auch Schulen müssen sich nach 250 Jahren System auch mal anpassen und verändern. Unsere Kinder tun es auch.

Welches Buch hat Sie zuletzt am meisten inspiriert/begeistert?
Ich habe „The Brain that changes itself“ gelesen von Norman Doidge. Es ist eine Mischung aus Wissenschaft und Motivation, eine Erinnerung daran, zu was wir fähig sind. Ich beschäftige mich gerade sehr mit dem Thema und der Evolutions-Pädagogik und versuche mir daraus Teile in mein Coaching zu bauen. Das sind spannende Ansätze.

Wie haben Sie (und Ihre Familie) die Corona-Zeit bisher erlebt?
So seltsam, das für manche vielleicht klingen mag: Ich muss ganz ehrlich sagen, für mich war es das Beste, was mir passieren konnte. Ich hatte endlich mehr Zeit für die Familie. Ich war jeden Tag mit meinem Sohn im Wald und hab Fahrradtouren gemacht. Insgesamt bin ich einfach mal runtergekommen, weil viele Jobs abgesagt wurden. Außerdem konnte ich mich um meine Gesundheit kümmern. Bei meinem Mann ging alles normal weiter bei der Arbeit. Und mein Sohn hat die Zeit mit mir sehr genossen.

Das Jahr 2020 neigt sich langsam dem Ende zu. Was sind die Dinge, für die Sie dieses Jahr am dankbarsten sind?
Ich bin am dankbarsten dafür, dass wir alle gesund sind. Und ich bin dankbar für die Zeit mit meiner Familie.