TÜV SÜD:  Unfallrisiko Nebel – Verschleierte Sinne

Nebelige Tage mögen romantische Stimmungen animieren. Für Autofahrer bedeuten sie indessen ein erhöhtes Unfallrisiko. Morgens trifft Nebel vor allem auf die Fahrer im Berufsverkehr, aber auch abends und sogar tagsüber bringt er so manchen Autofahrer aus dem Konzept. Nebel nimmt die Sicht, täuscht, verleitet zu falschen Reaktionen. Es sind Millionen kleinster Wassertropfen, die das Licht so brechen, dass die menschlichen Sinne irritiert werden. „Das Wichtigste bei aufkommendem Nebel ist, das Abblendlicht einzuschalten und die Geschwindigkeit den Sichtverhältnissen anzupassen“, legt Philip Puls von TÜV SÜD in München Nebelfahrern ans Herz. „Bei modernen Fahrzeugen reicht es nicht, sich auf die Lichtautomatik zu verlassen. Wer mit Tagfahrlicht in der Lichtautomatikstellung unterwegs ist, fährt bei Nebel im Zweifel ohne zugeschaltete Schlusslichter“, gibt der Verkehrsexperte zu bedenken.

„Im Nebel erscheint alles, was der Autofahrer vor sich sieht, weiter entfernt“, schildert Puls seine Beobachtungen, „deshalb wählen vielfach Fahrer im Nebel einen zu geringen Abstand.“ Oft wird die eigene Geschwindigkeit für angemessen erachtet, obwohl sie objektiv viel zu hoch ist. Die Nebelschwaden um das Auto lassen das Gefühl für das eigene Tempo schwinden.

„Grundsätzlich stellen Nebelfahrten eine erhöhte Belastung und Stress da“, warnt Puls. Die Wahrnehmung ist eingeschränkt. Besonders periphere Bewegungsreize werden weniger erkannt. Das Sichtfeld ist eingeengt. Bei schlechter Sicht sollte man sich stets nur am rechten Fahrbahnstreifen orientieren, nicht aber am Rücklicht des Vorausfahrenden und auch nicht am Mittelstreifen. Ein besonderes Unfallrisiko sind plötzliche Nebelschwaden. „Sobald eine Nebelwand auftaucht, sollte man sofort das Tempo reduzieren und den Sicherheitsabstand wesentlich vergrößern“, rät der TÜV SÜD-Fachmann. Vorsicht ist an Flüssen, großen Wiesenflächen, Tälern oder Waldgebieten geboten.

Die Straßenverkehrsordnung (StVO) schreibt das Einschalten des Abblendlichts bei eingeschränkter Sicht vor. Hingegen ist die Benutzung der Nebelschlussleuchte reglementiert. „Nur bei Sichtweiten unter 50 Metern darf sie zugeschaltet werden. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit ist dann allerdings auf maximal 50 Kilometer pro Stunde begrenzt – wenn nicht sogar eine geringere Geschwindigkeit geboten ist“, erinnert Puls.
Immer wieder zu beobachten, manche Autofahrer hängen sich förmlich an die Rücklichter des Vorausfahrenden und fühlen sich ihrerseits wiederum von den Scheinwerfern der Nachfolgenden im Rückspiegel bedrängt. Durch diesen Sog- und Druckeffekt entstehen schnell Fahrzeug-Kolonnen, die viel zu schnell im Nebel unterwegs sind. Beim kleinsten Bremsvorgang kann der geringe Abstand in der Kolonne dann zu Massenkarambolagen führen, wie sie sich fast jedes Jahr im Nebel ereignen.

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