Oana Nechiti im Enzkreis Rundschau Interview

Oana, was hast du gedacht, als man dir den Jurorenjob bei DSDS angeboten hat?
Als die Anfrage von DSDS kam, war ich erstmal für 10 Minuten gelähmt und konnte nicht wirklich sprechen. Von so einem Jobangebot habe ich schon lange geträumt, aber nie geglaubt, dass es wahr werden könnte. Der einzige Mensch, der von meinem Traum wusste, war mein Mann. Ich habe jahrelang aktiv an mir, meiner Sprache und meiner Ausdrucksweise gearbeitet. Ich habe sogar Moderationsunterricht genommen. Aus meiner Erfahrung kann ich nun sagen, dass es wichtig ist, an seine Träume zu glauben, sich auf den Weg zu machen und ständig an sich zu arbeiten. Irgendwann, wenn die Sterne richtig stehen, klappt es dann.

Du bist bei der aktuellen Staffel von Let‘s Dance nicht mehr dabei. Warum nicht?
„Let‘s Dance“ ist ein Herzensprojekt von mir. Ich bin da aufgewachsen und hatte großes Glück dort viele Jahre mitwirken und viel lernen zu dürfen. Jede Staffel war völlig unterschiedlich und neu für mich. „Let‘s Dance“ hat mich in meinem Leben sehr weiter gebracht. Die Entscheidung, dort nicht mehr mitzumachen, ist mir nicht leicht gefallen. Doch primär bin ich Mutter und das ist meine Priorität. Unser Sohn wurde dieses Jahr eingeschult und für mich war das der richtige Zeitpunkt, mich auf meine Rolle als Vollzeit-Mama zu konzentrieren und mich meinem Sohn und seinen Schulaktivitäten zu widmen. Was der Zuschauer nicht so mitbekommt ist, dass „Let‘s Dance“ ein Vollzeit-Projekt ist. Als Profitänzerin oder Profitänzer reist man den Prominenten hinterher und ist ungefähr vier Monate von Zuhause weg. In meinem jetzigen Alltag ist das nicht mehr so leicht umzusetzen, und das ist der Grund gewesen für diese Entscheidung.

DSDS ist dann nicht so zeitaufwendig?
Es war niemals so, dass ich „Let‘s Dance“ für DSDS aufgegeben habe. Ich habe die Entscheidung gegen „Lets Dance“ schon vorher aus familiären und zeitlichen Gründen getroffen. Das Jobangebot von DSDS kam dann danach völlig unerwartet und überraschend. Für DSDS sprach unter anderem, dass die Zeiten der Dreharbeiten völlig anders sind. DSDS ist kein Projekt, bei dem man vier Monate durchgehend weg ist. Für mich ist das in meinem Alltag mit Kind viel einfacher zu realisieren.

Aktuell ist es ja so, dass bei Let‘s Dance live am Freitag getanzt und du am Samstag live bei DSDS sitzt – Beides in Köln in gegenüberliegenden Studios …
Ja, die vier Liveshows, die wir bei DSDS haben, werden sich tatsächlich mit „Let‘s Dance“ überschneiden. Ich hoffe, dass ich mich da nicht verlaufe und aus Versehen aus Gewohnheit ins „Let‘s Dance“-Studio spaziere. Ich werde wohl mit einem weinenden und mit einem lachenden Auge auf die andere Seite ins Studio zu DSDS gehen. Ich bin sehr dankbar und auch neugierig diese Art von Liveshow erleben zu dürfen und neue Erfahrungen zu machen, dieses Mal hinter dem Jurypult und nicht davor.
Erich und du ihre seid seit neun Jahren ein Paar und habt ein Kind zusammen. Wann steht die Hochzeit an?
Erich hat mir vor fünf Jahren vor meiner gesamten Familie einen Hochzeitsantrag gemacht. Es war ein rührender und märchenhafter Moment. Doch die letzten Jahre waren sehr arbeitsreich, wir waren bei Lets Dance, haben unsere eigene Tanzschule eröffnet, die Priorität hatte. Aber sobald etwas mehr Ruhe einkehrt, wollen wir definitiv heiraten. Wir tragen uns im Herzen und haben uns das Wort gegeben.

Vorher wurdest du beurteilt, jetzt bist du selber Jurorin und urteilst über die Kandidaten. Bist du streng oder eher lieb, weil du das Gefühl kennst, beurteilt zu werden?
Also in erster Linie bin ich ein Mensch und ich bin auch eine Frau. Ich habe sehr viel Mitgefühl mit meinen Mitmenschen, und ich kann mich natürlich, dadurch, dass ich viele Jahre beurteilt wurde, gut in die Situation hineinversetzen. Ich weiß, wie es den Kandidaten geht. Andererseits bin ich auch sehr leistungsorientiert. Ich komme aus dem Profisportbereich, und ich verlange viel von den Kandidaten, weil ich weiß, was es heißt eine Chance im Leben zu bekommen. Ich bin der Meinung, dass man abliefern muss, wenn man so eine Gelegenheit bekommt. Die Kandidaten müssen auch verstehen, dass der Auftritt wie ein Formel-1-Rennen ist. Wenn man den Start verpasst hat, ist die Nummer durch. Das muss man akzeptieren und sich mit dem Gedanken anfreunden. Es geht um einen Wettbewerb und es geht um eine Leistung. Wir erwarten keine fertigen Künstler aber trotzdem sollte man einige Dinge mitbringen.

Auf was achtest du besonders? Was ist deine Rolle in der Jury?
Meine Aufgabe in dieser Staffel ist es, ganz stark auf die Performance, die Ausstrahlung, die Präsenz zu achten – die Gewürze quasi. Das Musikalische Talent muss natürlich stimmen, aber wir sind alle vier der Meinung, dass es heutzutage nicht mehr reicht, nur gut zu singen. Außer, du bist ein Halbgott, wenn es um das Singen geht. Wenn du aber kein Halbgott bist, dann musst du Präsenz haben und dich bewegen können. Einen Künstler hören wir nicht nur, sondern wir sollten ihm auch gerne zuschauen können. Da erwarten wir ein gewisses Selbstbewusstsein und eine Ausstrahlung Ich bin auch gerne bereit Tipps zu geben und ein gewisses Bewusstsein dafür zu erwecken, wie wichtig es ist Präsenz zu zeigen. Ab dem ersten Moment, in dem du zur Bühne gehst, fängt der Auftritt an. Da ist der erste Eindruck schon hinterlassen. Der Zuschauer hat 3 Sekunden um zu bewerten, ob er dich sympathisch oder unsympathisch findet. Da hast du noch nicht angefangen zu singen. In diesen Sekunden geht es alleine darum, wie man läuft, wie man guckt, ob man lächelt oder nicht, ob man zittert oder nicht und welche Haltung man hat. Das sind Sachen, die man üben kann.
Mein Spezialgebiet sind Choreografie, Bewegung, Tanz, Emotion, Aussehen und Selbstbewusstsein.

Macht dir dein neuer Jurorenjob Spaß?
Der Job macht mir sehr viel Spaß. Das hätte ich niemals erwartet. Ich hätte auch gedacht, dass ich viel aufgeregter wäre. Ich habe mir vorher eine Millionen Gedanken gemacht, doch auf so einen Job kann man sich nicht vorbereiten. Ich habe dann einfach auf meine 21 Jahre Erfahrung vertraut und es einfach auf mich zukommen lassen. Ich kann nur versuchen, mir selbst treu zu bleiben und mein Bestes zu geben. Dabei versuche ich viel zu lernen und möglichst viel mitzunehmen. Für mich ist das ein komplett neuer Bereich. Ich bin unendlich dankbar an diesem Jurypult zu sitzen, neben Dieter Bohlen, Xavier Naidoo und Pietro Lombardi. Alle drei sind Vorzeige-Superstars in Deutschland. Dieter ist einfach ein Feuerwerk. Wie der Mann mit diesem Format, mit diesem Job umgeht ist jedes Mal aufs Neue für mich ein Fest. Pietro ist der Vorzeigekandidat bei DSDS. Es gibt einfach kein besseres Beispiel, wenn es darum geht, die Chance einer Castingshow zu nutzen. Und Xavier Naidoo ist einfach der Mensch, der mir deutsche Musik schmackhaft gemacht hat. Er hat mich auf meinem Weg begleitet seit ich 16 bin. Ich war sehr traurig, dass ich seine Lieder nicht mitsingen konnte, weil ich kein deutsch gesprochen habe. Xaviers Musik war einer der Gründe, warum ich Deutsch gelernt habe. Ich dachte, irgendwann werde ich diese Sprache beherrschen, dann werde ich alle Lieder auf diesem Album mitsingen. Dass ich jetzt neben ihm sitzen darf ist echt manchmal irreal.

Sind die drei Männer nett zu dir? Du bist ja die einzige Frau in der Jury. Schaffst du es, dich da durchzusetzen?
Ich habe das Gefühl, dass Pietro mein Cousin geworden ist, Xavier mein Onkel und Dieter mein Vater. Alle drei Männer sind völlig unterschiedlich und haben einen sehr guten Humor. Wir sind eine Gang geworden. Wir sind Kumpels im Prinzip, und ich hoffe, dass ich mich gut angepasst habe. Ich war als kleines Kind immer gerne mit Jungs unterwegs, weil die sehr direkt und unkompliziert waren. Ich mag diese direkte und transparente Art und so bin ich ihnen auch gegenüber. Ich habe das Gefühl, dass wir sehr gut harmonieren und auf Augenhöhe sprechen. Zwischen den Zeilen habe ich mal von Dieter rausgehört, dass ich die Expertin bin, wenn es um das Tanzen geht. Das hat mich geehrt.

Was ist das Spannende an Deiner neuen Aufgabe als Jurorin und wo liegt vielleicht auch die Herausforderung?
Als Jurorin muss man den Kandidaten mit der Aussprache der Wahrheit manchmal ihre Träume zerstören. Eine sanfte Art dafür zu finden ist herausfordernd und spannend. Ich musste lernen, auch mal „Nein“ zu sagen und so ehrlich wie möglich zu sein. Nur so kann man Menschen davor bewahren, viel Energie in einen Weg zu stecken, der ins Leere führt. Für mich war das nicht so einfach. Viele sagen immer, dass Dieter so hart ist. Aber genau das gehört zu dem Job. Eine gewisse, manchmal harte, Ehrlichkeit muss man sich bewahren und genau das ist die Herausforderung. Deswegen fasziniert es mich echt oft, wie Dieter damit umgeht, und ich lerne täglich von ihm. Das ist eine neue Einstellung für mein Leben, weil meine Art oft überfreundlich war und ich zum Teil auch nicht immer die Wahrheit gesagt habe. Ich habe Tänzern und Tänzerinnen Komplimente gemacht, weil ich nicht so stark war, ihnen zu sagen, dass es nichts wird. Manchmal sollte man lieber jemandem raten, die Ausbildung zum Friseur oder zur Friseurin zu beenden, um eine bessere Zukunft zu haben. Die Ehrlichkeit ist eine ganz seltene und wichtige Sache heutzutage, die man schätzen sollte.

Hast du früher eigentlich DSDS verfolgt?
Ja, ich muss ein Geständnis machen. Ich habe DSDS von Anfang an geguckt, seit ich nach Deutschland gezogen bin. Es hat mir immer sehr gut gefallen, da es sehr bunte Unterhaltung ist. Es hat alles: von Soap, Drama, Comedy und Leistung. Ich habe gelacht, und ich habe geweint. Für mich war es eine Achterbahnfahrt der Gefühle und ich stehe total auf sowas. Dann kam irgendwann auch, genauso überraschend wie bei DSDS, eine Anfrage von Let‘s Dance und dann musste ich zum Casting. Ich wurde von der Produktionsfirma gefragt, mit wem ich tanzen würde, wenn ich mir einen Prominenten aussuchen dürfte. Ich kannte so wenig Prominente in Deutschland, weil ich erst drei Monate da war. Den einzigen talentierten Prominenten, den ich auf der Bühne gesehen habe, war Menowin Fröhlich. Als ich DSDS geguckt habe und eine Performance von ihm mitbekommen habe, bei der er so wahnsinnig toll zu Michael Jackson getanzt hat, war ich völlig aus dem Häuschen. Der hat nicht nur toll gesungen, sondern einfach performt, das war Weltklasse.