Markus Haub: Automobil-Designer und Künstler

Markus Haub fing schon früh an Autos zu zeichnen und irgendwann stand auch sein Berufsziel fest: Er wollte Automobil-Designer werden. Dafür ging er Ende der 90er Jahre für acht Semester nach Pforz­heim, um sein Studium an der Fachhochschule zu absolvieren. Eine hervorragende Wahl, denn hier stehen die künstlerischen Fächer ganz oben auf der Prioritätenliste. Selbstständiges Arbeiten, Malerei, Skulptur, Zeichnen. Endlich war er am Ziel und konnte sich kreativ ausleben und dazu noch seine eigenen Entwürfe in Maßstabs-Modelle umsetzen. Damals war auch noch alles analog und es wurden noch echte Skizzen an die Wände gehängt und richtige Modelle von Hand gebaut. Dies sollte sich durch die Digitalisierung rasch ändern, Prozesse beschleunigen und eine neue Art von Formensprache und Arbeitsweisen hervorbringen.

Dann verschlug es den frisch gebackenen Diplom-Designer nach Spanien. Volkswagen bot ihm im neu errichteten Konzern-Designstudio in Sitges südlich von Barcelona eine Stelle an. Nach knapp vier Jahren, mit Projekten für Seat, Audi, VW, Lamborghini oder Bentley suchte Renault für sein neues Team in Barcelona Verstärkung und Haub wechselte in die katalanische Hauptstadt, um für den französischen Hersteller an Twingo, Laguna und Twizy herumzutüfteln und an strategischen Projekten zu arbeiten. Inspiriert von der Kultur- und Kunstszene entstehen nach Feierabend die ersten Werke in seiner so markanten Arbeitstechnik aus digitalen Drucken und manuellen Arbeitsschritten, erste Ausstellungen folgen und die eine oder andere Galerie nimmt ihn unter Vertrag. Vor über zehn Jahren schon wagte er den Sprung in die Selbstständigkeit, reduzierte die Designaufträge und seinen Lehrauftrag an einer Designschule und widmet sich nun ausschließlich seinen Bildern. Um Autos geht es aber trotzdem noch. Mehr und mehr jedoch um die Oldtimer. Die Serie „Racing Legends“ startete 2007 und wird laufend fortgesetzt. Ausgestellt wurden sie u.a. im größten Automobil Museum der Welt in der Cité de l’Automobile_Musée National-Collection Schlumpf in Mulhouse oder im Meilenwerk in Düsseldorf. Sie zeigt Renn- und Sportwagen aus den 60ern oder 70er Jahren, teilweise mit ihren markanten Rennlackierungen der Sponsoren von Gulf oder Martini.

Die Originale entstehen als Collage auf Leinwand, die nun mit Schleifpapier und Bürsten zunächst „verletzt“, später mit Acrylfarbe, Lacken oder Sprühfarbe wider aufgebaut werden. Und mehr noch – das Bild bekommt neue Farbakzente und Struktur. Texte dienen als grafische Elemente. Überhaupt versteht Haub sich nicht als klassischer Künstler, sondern vielmehr als Macher, der verschiedene Disziplinen, wie Fotografie, Grafikdesign oder Malerei neu zusammenfügt und daraus Unikate entstehen lässt. Die Fotos der Autos erstellt er selbst. Ist er doch im Sommer viel mit den eigenen Klassikern unterwegs. Auf Rallyes, Treffen oder Ausfahrten in ganz Europa. Von Le Mans bis Goodwood, von den Dolomiten bis an die Ostsee. Immer ist die Kamera dabei und es wird nach neuem Material gesucht. Fotografie ist seine Leidenschaft.

Bei einem seiner letzten Projekte ging es aber nicht um ein Bild auf Leinwand, sondern er baute mit einem Team seinen ganz persönlichen Klassiker. Ein komplett restaurierter Porsche 911 von 1970, dem er einen ganz eigenen Look verpasste und dazu wieder zu Papier und Bleistift gegriffen hat, um die Detaillösungen zu visualisieren. Herausgekommen ist der „Outlaw 9110101621“, ein 180PS starker Wagen im Rennlook der 60er Jahre, kombiniert mit moderner Grafik in Leuchtrot. Die Lieblingsfarbe des Künstlers, die sich in allen seinen Bildern wiederfindet…

Viele Zufälle brachten Markus Haub dahin, wo er heute steht. Geplant war die Karriere nicht. Den Traum als Autodesigner zu arbeiten hat er realisiert, doch das sich gewandelte Berufsbild und die immer mehr in der Kritik stehende Automobilindustrie haben ihn auf einen anderen Weg gebracht. In der Selbstständigkeit hat er seine Bestimmung gefunden, kann weitestgehend frei arbeiten und verkauft seine Bilder in Galerien in ganz Europa. Er lebt und arbeitet in Barcelona und Mainz, wo immer die Sonne gerade scheint.

Weitere Informationen unter www.markushaub.com