Ingo Nommsen im Enzkreis Rundschau Interview

Die meisten werden ihn wohl als den charmanten Moderator der Morgensendung „Volle Kanne“ im ZDF kennen: Ingo Nommsen. In seinem spannenden Job durfte er bereits mit zahlreichen Stars und Sternchen aus aller Welt interessante Gespräche führen und auch abseits der Kamera auf Tuchfühlung gehen. Die faszinierendsten Begegnungen hat Ingo Nommsen nun in seinem Buch „Erfolgsmenschen“ festgehalten. Im Interview verrät er, wie es zur Buchidee kam und gibt intime Einblicke in die Welt des Showbusiness.

Herr Nommsen, Sie moderieren jetzt bereits seit 18 Jahren „Volle Kanne“ und sind mit der Welt der Prominenten bestens vertraut – wann genau kam Ihnen die Idee, Ihre Begegnungen mit bekannten Persönlichkeiten niederzuschreiben?
Die Idee, ein Buch über spannende Begegnungen und Erlebnisse aus meinem Berufsleben zu machen, hat sich in den letzten Jahren entwickelt. Vor einem Jahr kristallisierte sich daraus das Konzept „Erfolgsmenschen“, das vorsah, Prominente auch abseits der Fernsehkamera zu treffen und dabei einen noch besseren Eindruck von ihnen zu bekommen. Mir war wichtig, mich dem Thema Erfolg mit viel Zeit und Tiefe zu nähern. Dazu wollte ich mir auch die nötige Zeit nehmen, die in meinen Fernsehshows oft fehlt. Dabei konnte ich noch einmal auf ganz andere Art und Weise in ihr Leben eintauchen und auch Dinge erleben, die mir und dem Leser noch einmal ganz andere Perspektiven ermöglichen. Im Probenraum der Scorpions mit Klaus Meine über die von Hannover aus gestartete Weltkarriere zu sprechen, das ist schon ein besonderer Rahmen. Und einmal mit Steffen Henssler an einem ganz normalen Abend in seinem erfolgreichen Restaurant „Henssler & Henssler“ in der Crew zu arbeiten, gab mir ein besseres Verständnis von der Härte des Alltags im Gastrobereich. Diesen enormen Druck bevor ein Gericht raus zum Gast geht, werde ich nicht vergessen. Ich fand es super spannend mit meinen Gästen noch einmal in ihre Biografie abzutauchen. Dass ich dabei auch meine eigenen Lebenswege Revue passieren lasse, hat sich am Ende ganz natürlich aus den einzelnen Geschichten ergeben. Einige der Prominenten begleiten mich schon fast mein ganzes Leben. Das war interessant und gleichzeitig oft auch bewegend. Gerade als es um den im letzten Jahr verstorbenen Schauspieler Siegfried Rauch ging, der mir als Teenager – damals war ich der Gitarrenlehrer seines Sohnes – erste Rollen beim Film besorgte.
Mal ganz ehrlich: Fällt es denn nicht wahnsinnig schwer, zu so unsagbar frühen Zeiten aufzustehen und trotzdem muntere Gespräche mit Stars aus aller Welt zu führen?
Fernsehen ist mein Traumberuf. Achtzehn Jahre und über 3000 Sendungen lang bin ich nun schon beim ZDF. Das Zweite Deutsche Fernsehen kümmert sich um mein Frühstück und eine perfekte Gästeauswahl: Von Helene Fischer über Deep Purple und Gregor Gysi bis Mark Forster, von Iris Berben bis Daniela Katzenberger. Diese Arbeit macht Spaß. Vielleicht stehe ich deshalb heute so gerne auch früh auf. Als Jugendlicher war ich immer ein Morgenmuffel. Oft habe ich abends bis in die Nacht mit Bands Konzerte in irgendwelchen Clubs gehabt, da fiel der Weg in die Schule besonders schwer. Später musste ich oft früh morgens aufstehen, um vom Land zu meinen Praktika bei der Bavaria Film in München zu trampen. Anschließend hatte ich beim Radio teilweise um halb drei in der Nacht Dienstbeginn, um die Morningshow vorzubereiten. Schwer gefallen ist mir das nie. Ich wusste immer, wofür ich es mache. Für „Volle Kanne“ stehe ich meistens gegen sechs Uhr oder halb sieben auf und bin dann gegen kurz vor acht Uhr in der Maske. Das finde ich gar nicht so früh. Zumal ich mich jeden Tag auf einen perfekten Mix aus Entertainment, aktuellen Informationen und spannenden Gästen freuen darf. Wir bereiten die Sendungen mit dem Team am Tag vor der Live-Sendung vor. Das ist wie beim Fußball – nach der Show ist vor der Show. Wenn sich die Nachrichtenlage dramatisch ändert und wir in der Live-Show reagieren müssen, kann ich mich auf unser Team in der Redaktion verlassen. Und die Kollegen sich auf mich. Wir sind ein eingespieltes Team. Da fällt es mir nicht schwer, auch in Extrem­situationen entspannt zu bleiben.
Was die Stars angeht, fühlen sich viele bei uns wie zuhause, weil sie „Volle Kanne“ auch selbst gern als Zuschauer verfolgen. Nach über 3000 Sendungen im ZDF habe ich zum Glück auch einen kleinen Vertrauensvorschuss vieler Prominenter, die sich mit mir auf der Bühne und vor der Kamera wohlfühlen. Das macht viele ganz besondere Momente erst möglich. Gerade, wenn Stars wie Clueso, Peter Maffay, BossHoss oder Kim Wilde mit mir Musik machen. Da geht mir einfach das Herz auf. „Volle Kanne“ ist mit den Jahren nicht nur zu meinem, sondern auch zum Wohnzimmer vieler Stars geworden. Dass Status Quo, Deep Purple oder Ken Follett einmal bei mir am erfolgreichsten Fernseh-Frühstückstisch sitzen, hätte ich als Teenie nicht gedacht.

In Ihrem Buch berichten Sie von Ihren Gesprächen mit 13 Prominenten, darunter Kim Wilde, Klaus Meine, Steffen Henssler, Annette Frier und The BossHoss. Wieso fiel Ihre Wahl ausgerechnet auf diese Personen?
Als ich vor einem Jahr mit dem Buchprojekt begann, war mir wichtig, dass es Menschen sind, die mir nah sind, die etwas mit mir zu tun haben und deren Karriere ich wirklich beeindruckend finde. Ich wollte wissen, was sich da unter anderen Vorzeichen in anderer Umgebung entwickelt. Alle haben spannende Berührungspunkte mit meinem Leben, wir kennen uns lange und haben auch viele gemeinsame Shows gemacht. Und ich war neugierig auf ihre Geschichten. In Kim Wilde war ich als Teenie verliebt, die Scorpions-Platte „World Wide Live“ war meine erste selbstgekaufte, die Karriere von The BossHoss haben wir bei „Volle Kanne“ von Anfang an begleitet. Deutschlands bester Parodist Max Giermann hat mich bei Switch parodiert. Atze ist eine Comedy-Legende. Ich wollte wissen, warum der Comedian seine Maske niemals abnimmt und in der Öffentlichkeit unerkannt bleibt. Mit Schauspielerin Annette Frier habe ich beim Dreh für die Erfolgssitcom Pastewka erlebt, warum Komödie bei Schauspielern als Königsdisziplin gilt. Und sie erklärte mir, warum sie ihre ganz eigene Definition von Erfolg hat. Für „Erfolgsmenschen“ haben sich da wirklich viele Dinge ergeben, die auch mich überrascht haben.
Welche Begegnung hat Sie persönlich am nachhaltigsten berührt? Konnten Sie durch die Gespräche auch selbst wertvolle Erkenntnisse für Ihr Berufs-, aber auch Privatleben gewinnen?
Ich will mit meinem Buch und den Geschichten einfach ein paar inspirierende Lebenswege aufzeigen. Die Geschichten setzen bei jedem andere Gedankengänge in Bewegung und schaffen es, damit noch einmal einen ganz anderen Blick auf das eigene Leben zu werfen. Was mich dabei auch nachhaltig beschäftigt sind die Seiten der „Erfolgsmenschen“, die wir sonst eben nicht im Fernsehen sehen. Die Dinge, von denen wir sonst auch nicht lesen. Der Erfolg ist für die meisten Menschen nur Glanz und Glamour. Dass der Erfolg aber noch eine ganz andere Seite hat, ist vielen nicht klar. Da ist die Seite der Niederlagen, die der geplatzten Träume und der große Bereich in jeder Erfolgsgeschichte, der aus viel Fleiß und Arbeit besteht. Ohne richtig viel Einsatz, sind Erfolgsgeschichten nur Glücksgeschichten. Und Glück allein hat keinen „Erfolgsmenschen“ im Buch seinem Ziel näher gebracht. Wohl allerdings Vertrauen in das Leben und das eigene Können. Anastasia Zampounidis, als MTV-Moderatorin früher Kult, lebt heute eine neue Karriere als Bestsellerautorin. Ihr Credo: „Unser Leben ist wie ein Haus mit unzähligen Räumen. Für jeden Menschen hält das Leben schöne Räume zur Verfügung. Du musst die Türen nur entdecken, aufmachen und hindurchgehen“.
Ganz praktisch mein Leben verändert haben meine Treffen für das Buch mit Atze Schröder. Seitdem meditiere ich regelmäßig – seine positiven Erfahrungen mit dem Meditieren gaben mir den letzten Kick, es auch zu versuchen. Und was soll ich sagen: Meditation lässt mich einen noch entspannteren und glücklicheren Menschen sein.

Erzählen Sie doch mal die skurrilste Anekdote, die Sie bei einem Treffen mit einem Ihrer prominenten Gästen erlebt haben!
Eines der lustigsten Erlebnisse ist wohl die erste Begegnung mit einem Mann, der nicht nur einer unserer bekanntesten Sänger, sondern längst Kult im deutschsprachigen Raum ist. Es ist Jahre her, als ich früh am Morgen die ZDF-Garderobentüre öffne und im dunklen Zimmer plötzlich einen Schatten auf der Couch bemerke. „Psst“ sagte die Kollegin dann plötzlich, riss mich aus der Tür und sagte: „Da liegt Tony Marshall, der schläft noch.“ Der Sänger hatte sich nach einem Auftritt nachts direkt im Studio hingelegt, um unser Frühstück nicht zu verschlafen. Das ist die ganz alte Schule. Und auch The BossHoss hatten bei ihrem ersten Frühstück bei mir ihren Bandbus direkt vor der Studiotür geparkt. Wie Florian Silbereisen übrigens auch.

Wie wir in Ihrem Buch lesen können, haben Sie im Laufe Ihrer Karriere bereits beeindruckend viele Größen aus dem Showbusiness interviewt. Gibt es denn eine spezielle Person, mit der Sie sich noch unbedingt unterhalten möchten?
Die Lebenden werden irgendwann hoffentlich alle in einer Show bei mir gewesen sein. Im Ernst: Ich hätte gern noch einmal mit Falco gesprochen. Leider hatte ich in den 90er Jahren als Radiovolontär einen Interviewtermin mit ihm platzen lassen. Das macht mich heute noch traurig. Es war das einzige Mal in meiner gesamten Journalistenlaufbahn, aus Liebeskummer. Ich hatte mich damals mit meiner ersten Freundin gestritten. Wenig später haben wir uns dennoch getrennt. Heute ist klar: Ich hätte mich mit Falco treffen sollen. Obwohl er wahrscheinlich keinen Beziehungstipp gehabt hätte, wäre unser Zusammentreffen wohl ein großer Spaß gewesen.

Zu guter Letzt noch die spannendste Frage: Können Sie als Quintessenz aus all Ihren Promi-Gesprächen konkrete Ratschläge ableiten, wie man erfolgreich wird mit dem, was man tut? Eine Art „Erfolgs-Patentrezept“?
Das genau ist für mich das Schöne an dem Projekt „Erfolgsmenschen“: Es zeigt, dass es für einen erfolgreichen Lebensweg glücklicherweise kein Patentrezept gibt. Erfolg ist etwas sehr individuelles, unabhängig von anderen. Vergleiche mit anderen bringen uns dabei nicht weiter, im Gegenteil: Es wird immer einen Menschen geben, der „mehr“ hat – ganz gleich ob Geld, Ruhm oder Status. Wer wirklich langfristig erfolgreich und glücklich sein will, sollte sich intensiver mit sich selbst und seinem Leben auseinandersetzen. Das bringt uns in jedem Fall weiter. Jede meiner Geschichten im Buch zeigt aufs Neue, dass hier Menschen ihren ganz eigenen Weg gefunden haben, mit dem sie auch langfristig zufrieden sind. Die entscheidenden Fragen können dabei sein: Was ist Erfolg für mich? Welche Wünsche und Ziele habe ich? Und: Welche Schritte könnte auf diesem Weg sinnvoll sein? Ich bin mir sicher, jeder von uns ist schon einmal erfolgreich gewesen. In welchem Bereich und nach welchen Maßstäben – das können nur wir selbst entscheiden. Zu schauen, was wir in unserem eigenen Leben bereits erreicht haben, kann dabei echte Erfolgsgefühle wecken.