Anastasia Zampounidis im Enzkreis Rundschau Interview

Anastasia Zampounidis 1968 geboren, begann ihre TV-Karriere beim Musiksender MTV. Es folgten Moderationen für Wetten, dass…?, Sixx TV und ZDFneo. Zuletzt deckte sie im Namen des ZDF als WISO-Konsumagentin regelmäßig Verbraucherfallen auf, unter anderem in der Dokumentation „Die Zuckerfalle“. Seit elf Jahren verzichtet sie auf Zucker und hat dafür ein Vielfaches an Energie und Lebensfreude gewonnen. Anastasia Zampounidis ist trockener Sugarholic. Jahrzehntelang griff sie zu Süßigkeiten, wenn sie sich beruhigen, trösten oder belohnen wollte, und erweckte damit nur neuen Heißhunger. Ein regelrechter Suchtkreislauf aus kurzfristiger Befriedigung und baldigem Verlagen nach mehr entstand. Dann ging sie auf Entzug, mit großartigen Folgen: Sie verlor Gewicht, fühlte sich ausgeglichener und fitter, zudem sieht die Endvierzigerin aus wie Anfang dreißig.
Welche Folgen hat Konsum von Zucker also wirklich? Wie wirkt er, wo steckt er überall drin und wie nascht man ohne das süße Gift? Anastasia Zampounidis erzählt von ihrem Weg aus der Zuckerhölle, sie klärt über seine Wirkungsweise auf und verrät Tipps und Rezepte, die zuckerfrei glücklich machen.

Wie war für Sie der Weg von einer erfolgreichen TV-Moderatorin zur Bestseller-Autorin?
Meine TV Moderation hat tatsächlich zu meiner neuen Betätigung geführt. Im August 2016 habe ich für das ZDF eine Dokumentation über Zucker gemacht („Die Zuckerfalle“) und habe sie in diesem Zuge in einer ZDF Sendung vorgestellt/beworben. Nach 10 Jahren des völligen Desinteresses für meine besondere Ernährungsform, durfte ich zum 1. Mal über mein zuckerfreies Leben berichten. Daraufhin kamen zahlreiche Einladungen in andere TV Shows, z.B. „Hart aber Fair“ (ARD) und Interview-Anfragen. Und eben auch Angebote von Verlagen, die wollten, dass ich darüber ein Buch, einen Ratgeber, schreibe. Gesagt getan, alles andere ist Geschichte 😉

Gerade haben Sie Ihr neues Buch veröffentlicht, auf was dürfen sich die Leser freuen?
Ich habe gerade zwei neue Bücher veröffentlicht: „Für Immer Zuckerfrei To Go“ und „Für Immer Zuckerfrei Für Kids“. Nachdem der Ratgeber von vielen Menschen gelesen wurde, kam die Frage auf, was ich denn den lieben langen Tag esse. Vor einem Jahr erschien deswegen mein 1. Kochbuch „Für Immer Zuckerfrei – Meine Glücksrezepte“ mit meinen Lieblings-Rezepten. Danach fiel mir auf, dass zwei Themen sehr oft nachgefragt wurden (per Instagram, Emails oder durch Zuschauer bei meinen Lesungen): Wie mache ich das unterwegs/auf der Arbeit und wie bekomme ich mein Kind dazu, weniger Zucker zu essen. Voilà, zwei Kochbücher mit vielen Tipps, wie man seine Kinder auch ohne Zucker beglücken kann und man auf der Arbeit auch ganz easy zuckerfrei bleiben kann.

Wann und warum haben Sie aufgehört Zucker zu essen und inwiefern waren Süßigkeiten ein Suchtfaktor für Sie?
Zucker macht süchtig und damit kann man sich nicht gut fühlen. Das ist nicht nur meine persönliche Erfahrung, sondern wird auch von unabhängigen Neurologen so gesehen. Ähnliche Prozesse wie bei harten Drogen sind bei Zuckerkonsum in unserem Gehirn zu beobachten.

Woran haben Sie gemerkt, dass Zucker Ihrem Körper nicht gut tut?
Wann immer man fremdgesteuert ist, kann man nicht mehr glücklich und zufrieden durchs Leben gehen. So ging es mir 37 Jahre lang. Zucker macht alt, müde, unkonzentriert, übergewichtig, fördert depressive Verstimmung und fördert jede Entzündung im Körper. Ein Nahrungsmittel allein kann so eine große Verantwortung nicht übernehmen, aber Zucker ist in meinen Augen (zum Glück auch immer mehr bei Wissenschaftlern und Ärzten) kein Nahrungsmittel, denn es NÄHRT uns nicht. Hier sind nur Energie/Kalorien und ein Geschmack zu finden. Ein künstliches Produkt aus dem Labor kann uns nicht auf allen Ebenen nähren, weder physisch noch emotional oder geistig. Aber Nahrung kann das alles im Idealfall. Essen macht glücklich – nachhaltig, Zucker nur ganz kurz.

Muss man beim Zucker einen harten Entzug machen? Oder hilft es auch, ihn zu reduzieren?
Ich würde lieber gut vorbereitet in eine zuckerfreie Zeit starten und den richtigen Zeitpunkt wählen, also nicht unbedingt kurz vorm Urlaub oder vor einer wichtigen Hochzeit. Wenn man nicht komplett auf Zucker verzichtet, bleibt der Heißhunger (auf Süßes) und somit erschwert es den Verzicht. Lässt man ihn ganz weg, verabschiedet sich der Heißhunger nach einer bis spätestens zwei Wochen und der Weg wird dadurch viel leichter. Anders ist der Jojo-Effekt leider sehr wahrscheinlich und man schlägt irgendwann wieder extrem zu. Aber das muss jeder selbst entscheiden.

Haben Sie Tipps wie man der Versuchung widerstehen kann?
Ganz wichtig: nicht hungern! Sonst ist die Versuchung zu groß. Muss man ab sofort auch nicht mehr, jeder nimmt mehr oder weniger ab, wenn zuckerfrei. Immer etwas zu naschen dabei haben, meine Glückskugeln, Nüsse, Obst.

Wie sieht es mit Fruchtzucker aus? Ist Zucker im Obst guter Zucker?
Der Zucker im Obst im natürlichen Kontext ist völlig ok, extra­hiert und in Nahrungsmitteln wie Joghurt oder Müsliriegel ist zu viel Fruktose auf einmal für die arme geschundene Leber. Mit der Zeit wird sich die Aufnahme sowieso regulieren, sodass man sich keine Sorgen machen muss, wenn man zu Beginn mehr Obst isst, als früher. Heute kann ich grad mal drei Medjool Datteln essen, früher waren es doppelt so viele.

Was halten Sie von Birkenzucker (Xylit), Stevia oder Agavendicksaft?
Ich verwende keinen Süßstoff (Aspartam in Light Limonaden) oder Zuckeraustauschstoffe (Stevia, Xylit), da ich diese extreme Süße nicht mehr brauche und unser intuitives Essen nicht möglich ist, wenn wir weiterhin Stoffe aus dem Labor zu uns nehmen. Für mich sind Karotten, Süßkartoffeln und Hokkaido Kürbis so süß wie früher Schokolade inklusive Glücksgefühle. Honig oder Agavendicksaft sind am Ende der Stoffwechselkette leider auch nichts anderes als Zucker.

Weihnachten steht vor der Tür haben Sie einen Tipp, wie man trotz Zuckerverzicht naschen kann?
Ich habe im Buch „Für Kids“ extra am Ende ein Kapitel für Weihnachts-Rezepte, wer will schon ohne Naschen durch die schönste Zeit des Jahres gehen.
Alle finden es lecker und niemand würde darauf kommen, dass bei den Zimtsternen etwas fehlen könnte.

Neben Zucker gibt es auch noch andere ungesunde Lebensmittel, seit wann ernähren Sie sich pflanzlich?
Ich habe über 20 Jahre lang nach und nach tierische Produkte reduziert. 2 Jahre war ich sogar vegan, zur Zeit esse ich Feta Käse und Eier von happy Tieren, die ich persönlich kenne 😉

Was wird es bei Ihnen und Ihrer Familie an Weihnachten zu essen geben?
Meine griechische Familie lässt es immer krachen. Sie essen auf jeden Fall Fleisch, aber für mich gibt es immer leckere Hülsenfrüchte, Gemüse in rauen Mengen, Kartoffeln…. Mir schmeckt es immer 😉

Das Interview führte Benny Clausing