Adele Neuhauser im Enzkreis Rundschau Interview

Machen Sie uns mal neugierig, worum geht es bei „Unter Freunden stirbt man nicht“? Wie kann ein Toter den Nobelpreis gewinnen?
Nur, wenn er gute Freunde hat! Allerdings ist es gar nicht so leicht, einen Toten unbemerkt ein paar Tage offiziell „am Leben zu erhalten“. Es geht viel schief, sehr viel. Die Freunde enden mit ihren Bemühungen auf einem Polizeirevier und haben einiges zu erklären. Witzig, überraschend, berührend und einfach urkomisch ist diese ungewöhnliche Serie.

Die vier Freunde bedienen nicht die üblichen Klischees von Menschen Ü60. Wie war es für Sie, die Rolle der Annette zu spielen?
Die vier sind keine üblichen alten Knacker. Sie haben eine gemeinsame Geschichte und sind über die Jahre zusammengewachsen und auch ziemlich gnadenlos miteinander. Köstlich geschrieben und wunderbar zu spielen. Annette zu spielen, war einfach großartig! Sie ist ein Charakter, den ich so noch nicht gespielt habe. Sie ist berührend, aber auch nervig in ihrer Trauer und sie ist auch ungeschickt. Diese Facetten bieten wunderbaren Spielstoff für eine Komödie.

Ihre Rolle Annette erlebt einen Social-Media-Shitstorm gegen ihre Person. Ist Ihnen so etwas auch schon mal passiert?
Die arme Annette reitet sich da in ein ziemliches Schlamassel. Dieses Schicksal muss ich zum Glück nicht mit Annette teilen.

Bei „Unter Freunden stirbt man nicht“ werden Themen wie Leben und Tod, Älter werden in einer immer komplexer werdenden Gesellschaft und auch Sexualität im Alter angesprochen. Was können jüngere Zuschauer von den vier Freunden lernen?
Wenn diese großen Themen von Charakteren behandelt werden, die an sich selbst und an der Welt scheitern, dann können auch junge Menschen leichter etwas für sich mitnehmen. Ehrlichkeit, Vertrauen, Sexualität und Freundschaft sind so wichtig in einem Leben und das bleibt es bis zum Schluss. Aber um Verluste und Fehlschläge besser verkraften zu können, ist der Humor sehr hilfreich.

Hat die Chemie am Set – trotz Corona – gestimmt? Wie war die Zusammenarbeit mit Ihren Kollegen Iris Berben, Heiner Lauterbach, Michael Wittenborn und Walter Sittler?
Selbst Corona konnte uns nicht hindern, eine Vertrautheit und Nähe zueinander aufzubauen, die, wie ich glaube, auch spürbar wird. Es ist eine seltsame Zeit, aber wir konnten arbeiten und das mit einem so großartigen Team, mit unserem tollen Regisseur Felix Stienz. Meine Kollegen haben alle mit so großer Lust ihre Rollen verkörpert, dass es ein wahrer Genuss war, mit ihnen zu spielen.

Haben Sie eine Freundschaft, die schon einen Großteil Ihres Lebens Bestand hat?
Ich glaube, wahre Freunde trifft man sehr früh und ich kann mich glücklich schätzen, auch ein paar zu haben. Es ist mir sogar gelungen, zwei neue Freundinnen in späteren Jahren dazu zu gewinnen – was mich sehr glücklich macht.

Was war der größte Freundschaftsdienst, den Sie von jemandem erhalten haben oder selbst erwiesen haben?
Meine Freunde haben mir über die Jahre schon so geholfen und ich brauche wahrscheinlich zwei Leben, um es an ihnen gleichzutun. Eine Freundin ist mir, nachdem ich meine Mutter tot zuhause gefunden habe, sofort zur Hilfe geeilt. Sie hat mir über Stunden zur Seite gestanden. Das werde ich ihr nie vergessen.

Sind Sie schon mal über Leichen gegangen?
Ich habe vielleicht harte Entscheidungen getroffen, die auch für andere schmerzlich waren. Aber ich bin dabei nicht über Leichen gegangen. Allerdings habe ich vielleicht für manchen Witz meine Großmutter verkauft…

Für was haben Sie sich bisher noch keine Zeit genommen, wollen es aber unbedingt mal angehen?
Ich möchte die Alpen zu Fuß überqueren und mit einem Segelboot den Atlantik. Aber erstmal möchte ich viele Spiele mit meiner Enkeltochter spielen.

Streamen Sie eigentlich Filme und Serien? Wenn ja, was schauen Sie sich dann am liebsten an?
Ja, ich streame vieles und schau alles durch die Bank. Science Fiction-Filme, Mystery Thriller, Serien aller Art. Gute Komödien sind rar, aber ich liebe sie.

„Unter Freunden stirbt man nicht“ jetzt streamen bei TVNOW.